SG Marazhn 20.01.1946 Spielbericht Friedrichshagen

#nordosthistory – Teil 135: Heute vor 75 Jahren – Sotolas Siebenerpack

Heute vor 75 Jahren traf die Männermannschaft der damaligen SG Marzahn auf Friedrichshagen und trat mit einem 14:1-Erfolg die Heimreise an. Einen Spielbericht dazu haben wir bereits in der #nordosthistory – Teil 114 vorgestellt, den wahrscheinlich aber Niemand lesen konnte.
Dank der akribischen Arbeit unseres ehemaligen Mitglieds Uwe Drenske haben wir jetzt auch eine lesbare Version dieses Spielberichts. Er hat sich die Mühe gemacht und die deutsche Sütterlinschrift in die lateinische Druckschrift übersetzt. Wir bedanken uns vielmals bei Uwe Drenske für die zeitaufwendige und akribische Arbeit!

Und jetzt viel Spaß beim Lesen:

Anmerkungen zur „Übersetzung“ des Spielberichts von deutschem Sütterlin in lateinische Druckschrift:
Der Verfasser des Spielberichts ist nicht bekannt. Die damals gültige Rechtschreibung wurde beibehalten. Der Text wurde unter Beibehaltung der Seiten- und
Zeilenanzahl wortwörtlich „übersetzt“. Rechtschreib-, Grammatikfehler und Ausdrucksweisen wurden übernommen.

„Bimbo Binderschuß“: Franz Binder (1911-1989), österreichischer und deutscher (1939-1941) Nationalspieler von SK Rapid Wien, Spitzname Bimbo. Er zeichnete sich unter anderem durch einen sehr harten und präzisen Schuss aus.

Spiel gegen Friedrichshagen am Sonntag den
20.1. 1946 um 14 Uhr in Friedrichshagen.
Schiedsrichter : Kilian von Baumschulenweg
Ergebnis : 14:1 für Marzahn

Grische
Klawitter II – Müller
Brux II – Sotola – Linke
Ullrich – Löwendorf – Lang – Klawitter III – Meier
Torschützen : Sotola mit 7 Toren
Lang mit 5 „
Ullrich mit 1 „
Meier mit 1 „

Spielbericht.
Das Spiel begann erst um 14:15, weil Friedrichshagen
seine Jerseis umwechseln mußte. Der Gegner
trat mit 9 Mann auf den Platz. Nach Anpfiff
des Schiedsrichters Kilian, der mehr für Friedrichs-
hagen eingenommen war, berochen sich erst beide
Mannschaften einmal. Aber bald wurde der
Bann gebrochen unser Sturm bedrängte den
Strafraum des Gegners und Sotola schoß
zum 1:0 ein. Das Tor war gefunden und
es dauerte nicht lange, da hing das Leder
zum zweiten Mal ins Netz. Der glückliche
Torschütze war Lang. Wir spielten
jetzt nur noch in des Gegners Hälfte. Aber
unser Aufrücken wurde bestraft. Ein Weit-
schuß zum Rechtsaußen des Gegners, ver-
wandelte dieser zu einem unhaltbaren Tor.
Es stand nun 2:1 für uns. Nun ging aber
unser Torsegen los. Der Sturm schoß aus allen
Lagen auf das Tor. Der Torwächter von
Friedrichshagen hatte alle Hände voll zutun. Er
hatte trotz seiner guten Torparaden aber auch
viel Glück. Aber gegen so einen Ansturm half
auch das Glück nichts. Vierzehn Mal rollte der
Ball ins Netz. Die Torschützen waren Heinz
Sotola mit 7 Toren, Wilhelm Lang mit 5 Toren
Richard Maier mit 1 Tor, Kurt Ullrich mit
1 Tor.
Unsere Mannschaft spielte schon wesentlich besser
als gegen Hoppegarten. Aber es fehlt noch viel
bis zur Bestform der Mannschaft und der einzelnen
Spieler. So das Zusammenspiel der Spieler zu einer
abgestimmten Mannschaft. Ferner muß der Sturm
das Spiel noch mehr auseinander ziehen und die
Außen mehr bedienen. Im Großen und Ganzen
konnte man mit diesem Spiel zufrieden sein.
Spielerkritik:
Torwart: Grische zeigte wieder seine Bestform.
Er ist manchmal etwas leichtsinnig mit seinen
vor die Füße werfen. Aber den Mutigen gehört
die Welt.
Verteidiger: Klawitter II nahm dieses Spiel wieder
auf die leichte Schulter. Er verfiel wieder seinem
alten Fehler, das Fummeln. Ein Verteidiger darf
nicht fummeln. Aber sonst wieder alte Klasse.
Verteidiger: Müller spielte in diesem Spiel ziemlich
lasch. Er hätte den Rechtsaußen härter rannehmen
müssen. Scheinbar erlaubte er sich diese Sachen, auf
Grund der Überlegenheit der Mannschaft.
Linker Läufer: Linke zeigte wieder seine ruhige
und spielerfahrene Technik in der Abwehr. Die
Ballbehandlung und das Zuspielen waren sauber.
Nur das Abdecken des Gegners müßte von ihm
noch ernster vorgenommen werden.
Mittelläufer: Sotola spielte gleich von Anfang an
offensiv. Er maß das Abdecken des Mittelstürmers
keine Bedeutung bei. In diesem Spiel hatte er auch
vom Mittelstürmer nichts zu befürchten. So konnte
er in diesem Spiel sein „Bimbo Binderschuß“
unter Beweis stellen. Er hatte auch 7 mal
Erfolg. Von nun ab wird er seinen Mittelläufer-
posten verlassen und den des halbrechten Stürmer
bekleiden.
Rechter Läufer: Brux II spielte wieder den wuchtigen
Abwehrspieler. Die Ballbehandlung und das Tempo
müßte er noch etwas verbessern. Sonst waren
seine Eigenschaften als Läufer nicht zu verkennen.
Linksaußen: Meier zeigte gegenüber dem vorigen
Spiel schon bessere Ballbehandlung und gutes
Schußvermögen unter Beweis. Wie es scheint kom-
mt er wieder auf seine alte Form zurück. Und
wir gewinnen durch ihm einen guten Linksaußen.
Halblinker: Klawitter III war trotz seines jugendlichen
Alters verblüffend gut. Er umspielte die Gegner wie
ein Alter. Aber er fummelte wie alle Klawitter zuviel.
Er muß bedenken, das noch mehr im Sturm mitspielen.
So wären vielleicht noch mehr Tore gefallen, wenn er ab-
gegeben hätte. Seine Ballbehandlung ist gut, bloß kann
er sich noch nicht so körperlich einsetzen, wie er möchte.
Mittelstürmer: Lang spielte wieder seinen alten Ball.
Hätte aber noch mehr Torchancen wahrnehmen müssen.
Da fehlte aber das schnelle Schußvermögen aus allen Lagen.
Aber es wird sich bei ihm auch schon einfinden. Sonst
waren seine Eigenschaften als Mittelstürmer gut. Er war
fünffacher Torschütze in diesem Spiel.
Halbrechter: Löwendorf stellte wieder seine jugendliche
Stürmerkraft unter Beweis. Er riß den ganzen Sturm
mit sich. Leider mußte er wegen einen Krampf
im rechten Bein zurück in die Läuferreihe kommen.
Und Sotola ging in den Sturm und schoß den Laden
des Gegners voll.
Rechtsaußen: Ullrich füllte in diesem Spiel den
Posten des Rechtsaußen ganz gut aus. Muß bloß
noch etwas wuchtiger schießen und noch etwas
schneller werden. Aber er ist noch jung und wird es noch
lernen.